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 ... oder warum ich meinem inneren Ruf konsequent folge, auch wenn er manchmal unbequem ist.... 

Vor ein paar Wochen liess ich mir mein Haar wieder mal ein Stück schneiden und bewahrte das abgeschnittene Haar auf, um diesen "alten Zopf" zusammen mit Dingen, die mir nicht mehr dienen, später in einer Zeremonie dem Wasser zu übergeben. Ich legte als Zeitpunkt den 8. Mai 2018 vor Sonnenaufgang fest. 

Wie es jeweils so ist vor einer Zeremonie, beginnt sie sich schon im Vorfeld zu formen. So kam es, dass ich ein paar Tage zuvor an einem rauschenden Bergbach sass und eine tiefe Sehnsucht wach wurde. Die Sehnsucht Stunden, ja sogar eine ganze Nacht, an so einem rauschenden Wasser zu sein und mich mit dieser Energie aufzutanken.

Kurzerhand entschied ich, ein paar Tage später eine Nacht in einem Bachtobel zu verbringen, an einem fliessenden Wasser, umschlossen von Steinen und Bäumen.

Eigentlich keine grosse Sache und eigentlich das normalste der Welt: die Nacht in der Natur zu verbringen. 

Doch ich habe dies nie zuvor getan. Ich habe sehr viele Nächte in der Natur verbracht an allen möglichen Orten von Alaska bis Indien. Aber noch nie war ich ganz allein eine Nacht lang im Wald. Doch genau dieser Gedanke beflügelte mich nun.

Dies wollte ich schon immer einmal tun und mir die innere Sicher- und Geborgenheit beim SEIN im Wald zurückerobern. Lange habe ich mich darauf vorbereitet. Zu Beginn meiner Medizinrad-Ausbildung vor 8 Jahren hatte ich sogar am Tag Angst allein im Wald zu sitzen. Bei jedem vorbeihuschenden Eichhörnchen oder scharrendem Vogel hatte ich beinahe einen Herzstillstand. Vor 1 1/2 Jahren war ich 5 Tage/Nächte in einem Dunkelretreat und stellte mich der kompletten Dunkelheit. Vor 1 Jahr war ich 3 Tage/Nächte auf einer Visionssuche, bei der ich zwar allein in der Natur an meinem Platz war, aber doch eingebettet in einer Gruppe von Menschen, die auch allein an ihren Plätzen waren. Da stellte ich mich dem Uebernachten (allein an einem Platz) in der Natur.

Und nun kam der nächste Schritt: Mich der Dunkelheit in der Natur hingeben, mutig und vertrauensvoll - und wirklich allein: ich entschied, dies niemandem zu sagen. Niemanden wissen zu lassen, wo ich hingehe und wann ich zurückerwartet werden kann. Ich wollte keine "Sicherheiten" und kein Back-up, welches sicherstellt, dass ich gesucht werden würde, wenn ich mich am nächsten Morgen nicht zurückmelde. Ich wollte dies nicht, denn eigentlich ist es doch eine ganz normale Sache im Wald zu übernachten. Menschen haben dies seit Jahrmillionen getan, sie waren zutiefst mit der Erde und den Naturkräften verbunden. Erst in den letzten wenigen hundert Jahren wurden die Menschen aus ihrer natürlichen Umgebung Schritt für Schritt weggeholt. 

Es ist schon verrückt, welche Aengste sich dann doch zeigen im Vorfeld so einer Nacht. Angst vor gestörten Triebtätern, gefährlichen Tieren, unfreundlichen Waldgeistern... all diese Aengste werden durch Filme, Medien, und verfälschte Märchen genährt, um uns noch mehr von der Natur zu entfremden. Denn mal ehrlich: treiben sich Kriminelle nachts im Wald herum, um einen Menschen zu überfallen? Wohl kaum. Es gibt so viele Wälder und darin Millionen von Plätzchen, an denen man sein kann. Was wäre das für ein "Zufall", wenn sich hier Opfer und Täter begegnen würden. Und Tiere? Bären und Wölfe werden bei uns ja regelmässig erschossen oder verjagt, die sind (leider) nicht anzutreffen in unseren Regionen. Wildschweine? Jedenfalls nicht in einem felsigen Bachtobel.... zudem können uns die Tiere von weitem riechen und gehen uns lieber aus dem Weg.  Denn die Menschheit ist die Gefahr für die Natur und nicht umgekehrt. Verrückt aber wahr, die fast einzige "Gefahr" in unseren Regionen ist eigentlich ein winzig kleines Tier, das man beim Zubeissen nicht mal spürt, da es die Haut lokal betäubt, nämlich die Zecke. Aber auch davor kann man sich schützen und zudem ist sie  kaum im tiefen Wald vorhanden, sondern vorallem an Waldrändern, in Gräsern und überall dort, wo Wild und Mensch umherstreifen. 

Ja es ist verrückt. Wir sind so weit von der Natur, welche unsere Grundlage und Herkunft ist, entfernt, dass wir Angst haben, die Nacht dort zu verbringen. Da stellt sich die Frage:

Wie bist Du mit der Natur und Deiner Herkunft verbunden? Wie bist Du geborgen und eingebettet im Grossen Ganzen des Universums und im Fluss des Lebens? Wagst Du es, Dich der Erde, dem irdischen, Deiner Inkarnation und Deinem Leben ganz hinzugeben? Am Tag? In der Nacht? Und Dich dabei geborgen und sicher zu fühlen?

Und? Wie war nun meine erste Nacht allein im Wald?
Am Montagabend 7. Mai fuhr ich los zum Ort, wo ich mein Auto über Nacht stehenlassen würde. Bei der Hinfahrt waren schon von weitem dunkle Gewitterwolken zu sehen. Oh nein!!! Ich will diese Nacht auf jeden Fall in den Wald gehen. Ich habe mich wirklich darauf vorbereitet und darauf eingestellt. Ich habe mir aber auch die Option offen gelassen, dass ich, wenn der Platz mich nicht willkommen heisst und ich mich unwohl fühlen sollte, wieder nach Hause gehe. Eine Medizinfrau hört auf ihre Intuition und macht nicht etwas auf Biegen und Brechen, weil der Kopf es will. Das könnte dann ungemütlich werden. 

Ja und prompt als ich aus dem Auto steigen wollte, begann es zu regnen. Ich checkte den Niederschlagsradar im Internet (danke an die moderne Technik). Er zeigte, dass dies in spätestens 2 Stunden vorbei sein würde. Das wäre ein Grund gewesen, um für heute aufzugeben. Mein Gefühl sagte mir aber, dass ich die Nacht im Wald verbringen werde. Also habe ich mein Abendessen, das ich eigentlich im Wald essen wollte, im Auto gegessen. Ein bisschen Brot, Käse und paar Cashewnüsse. Nach einer halben Stunde liess der Regen nach. Die Wetterprognose zeigte an, dass es eine sternenklare Nacht werden würde... juhuiii ..... also los gehts!

So ging ich entlang dem Bachtobel in den Wald hinein. Am Tag zuvor war ich bereits hier, um das Tobel kennenzulernen und um mögliche Plätze zu finden. So wusste ich bereits, wo der Eingang zu "meinem" Gebiet war. Ich übergab einem Baumstrunk die Aufgabe "Eingang" zu sein, der Hüter sozusagen, dass niemand in dieses Gebiet reinkommt, während ich darin bin. So ging ich hinein und suchte einen geeigneten Platz. Watete durch das kalte Wasser und kraxelte mit meinem Rucksack über grosse Steine und unter Aesten hindurch. Und dann sah ich meinen Platz. Ich war sprachlos. Das sah aus wie im Paradies. Ich wusste augenblicklich, hier werde ich geborgen und sicher schlummern wie ein Engel auf Erden smiley

Also baute ich energetisch ein Medizinrad auf und rief die 8 Himmelsrichtungen an. Danach richtete ich meinen Platz ein und sass einfach da und verband mit mich Mutter Erde und den Wesenheiten des Platzes - den Wasserwesen, Baumwesen, Steinwesen. Ich genoss das Rauschen des Wassers und die frische, mit Sauerstoff gesättigte, Luft und wartete, dankbar für diesen himmlischen Platz, auf die Dunkelheit. 

Als es langsam dunkler wurde, legte ich mich in meinen Schlafsack. Lange sah ich einfach zum Himmel hinauf zu den Sternen. Ich hatte so unendliches Glück, dass in diesem dichten Wald genau über meiner Oase die Bäume sich lichteten und ich zum Himmel sehen konnte. Es war paradiesisch. Es war genau diese Romantik, welche man sich von Nächten in der Natur erhofftsmiley Ich beobachtete, wie die Sterne durch die Erdumdrehung vorbeizogen. So konnte ich die Himmelsrichtung, in der ich lag, ausmachen. Ich lag in der Nord-Süd-Linie. Diese ist im Medizinrad (für mich als Frau) die weibliche Linie. Genauso hatte ich es mir für diese Zeremonie auch gewünscht. Eine Nacht, gewidmet der weiblichen Kraft in der Geborgenheit der Mutter Erde, in ihrem Schoss, umringt von ihrem Wasser. Mich dieser urweiblichen Kraft in vollkommener weiblicher Hingabe hinzugeben heart 

Daliegend spürte ich die starke Energie des rauschenden Wassers. Mir fiel ein, dass naturgegebene Wasserfälle zu den stärksten Kraftorten der Welt gehören. Mein Körper vibrierte, sogar mein Herzschlag fühlte sich anders an, denn ich war von natürlich fliessendem Wasser umgeben. Ich lag auf einem kleinen Steininselchen, gerade gross genug für meine Liegematte. Das Wasser floss um mich herum. Es gurgelte, zischte, schrie, flüsterte, sprach in hohen und tiefen Tönen, sang Lieder und Mantren, die ganze Nacht hindurch. Ich fragte mich, woher eigentlich soviel Wasser kommen kann? Wie wunderbar doch unsere Erde ist! Eine unendliche Quelle der Fülle heart

Irgendwann schlief ich ein. Einmal erwachte ich und musste aus dem Schlafsack kriechen, um zu urinieren.  Danach schlief ich weiter bis zur Morgendämmerung, die mich um 04:45 Uhr weckte. Ich blieb noch liegen und genoss die frische und feuchte Luft. Etwas später stand ich auf und ging nackt in das Wasser. Ich liebe erfrischende Seen und Bäche, schaffte es aber nur bis zu den Knien, da meine Füsse anfingen zu krampfen. Nun vollendete ich meine Zeremonie und liess den "alten Zopf" gehen. Danach bedankte ich mich bei den Himmelsrichtungen des Medizinrades und den Wesenheiten dieses wundervollen Platzes, packte meine Sachen und verliess den Ort, ohne zurückzublicken....

Um 06:30 Uhr war ich bei meinem Auto. Genau 12 Stunden, nachdem ich es verlassen hatte. Zutiefst glücklich, mir ein Stück "Wildheit" zurückerobert und meine innere Medizin-Frau genährt zu haben heartsmileyheart

 

Immer wieder werde ich gefragt, warum ich das 5-tägige Dunkelretreat, die Visionssuche oder ähnliche Dinge gemacht habe. Ganz einfach, weil ich mich zutiefst davon gerufen fühlte. Ebenso die Medizinrad-Ausbildung, bei der ich unendlich viele Zeremonien und Rituale in der Natur gemacht habe.

All dies war der Ruf meiner inneren Medizin-Frau. Sie ist mein innerer Schamanischer Anteil. Sie will diese Zeremonien tun und erfahren. Wenn ich dies nicht TUN und er-leben würde, wäre ich nur eine Büro-Schamanin, die das alles nur in der kuschligen Geborgenheit auf dem Sofa Zuhause in einem Buch gelesen hätte.

Aber ich ging raus und machte die Zeremonien im Wald, manchmal angenehm und bequem, manchmal bei Regen, Schnee, Hitze, Mücken, feuchter Kälte, exponiert, sichtbar für andere oder verkrochen in einem Gebüsch, nachts, bei Schlangen, Zecken, Spinnen, Hunden, Wildschweinspuren, und meist ohne Essen und ohne Trinken und auf jeden Fall immer ohne Handy!

Dies war ein innerer Ruf, ich hatte keine Wahl.

Einem inneren Ruf MUSS man folgen, ob es bequem ist oder nicht, ob es Sicherheiten gibt oder nicht, ob das Wetter/Zeitpunkt/Finanzen/Kleidung/Frisur usw. passen oder nicht. Auch ob es dem Nachbarn/Partner/Freunden/Vorgesetzten/Bäcker passt oder nicht. Ein innerer Ruf führt zu unserer Be-Rufung. Wir allein entscheiden, ob wir leben, wozu wir geboren worden sind, oder ob uns jemand anders lebt und wir nur Hampelmänner/-frauen für deren Visionen sind.

 
Dies war meine paradiesische Oase heart

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